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Get connected or get lost – Teil 2

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Get connected or get lost – Teil 2

Ich habe mich schon vor Jahren in einem bewussten Akt der kritischen Reflexion gegen die Nutzung von WhatsApp entschieden. Ein Grund ist sicher der Selbstschutz vor noch mehr unerwünschten Informationen aus den Tiefen des Internets und die damit einhergehende Beschleunigung des täglichen Kommunikation Stresses. Mit dem Aufkommen von Smartphones und Flatfees für Datenvolumen ist diese goldene Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit endgültig vorbei. Und WhatsApp hat einen bedeutenden Anteil an dieser Entwicklung. Durch die einfache Verwaltung der Chats und Freunden, die man in passende Kategorien bzw. Gruppen zuordnen kann, wird das Verschicken und schnelle Verbreiten von Informationen praktisch zum Kinderspiel – oder zum Fluch.

Die Fähigkeit der mentalen Informationsverarbeitung ist limitiert

Ab einer gewissen Reife ist es unerlässlich, sich der Grenzen seiner körperlichen und geistigen Belastbarkeit bewusst zu sein und mit seinen Kräften sorgsam umzugehen, will man noch ein paar spaßige Jahre mit seiner hart erarbeiteten Rentenanwartschaft erleben. Zudem ist mein Leben bereits atemberaubend genug. Sollte mich das Verlangen ereilen, ungewollte Fotos von süßen Katzenbabys oder fremden plantschenden Kindern (die sich als mir gänzlich unbekannten Nichten und Neffen siebten Grades von einer noch nie gehörten Cousine herausstellen) ansehen zu wollen, logge ich mich in meinen Facebook Account ein und schaue mir dort die Einträge meiner geblockten „Freunde“ an. Zugegeben, in diese Verlegenheit bin ich bisher noch nicht gekommen.

und Facebook muss nicht alles über mich wissen

Der wichtigste Grund meiner WhatsApp Ignoranz ist allerdings der Datenschutz. Ich bin schlicht und ergreifend nicht gewillt, dass ich eine weitere gläserne Entität im Datenpool der Datenkrake Facebook, zu der WhatsApp gehört, werde. Mir reicht es, wenn Google wahrscheinlich schon mehr über mich weiß, als ich über mich selbst. Da muss ich mich nicht auch noch für Facebook bis auf die digitale Unterhose ausziehen. Außerdem wirbt Google mit dem Claim „Don´t be evil!“. Von Facebook weiß man zum Thema Datenschutz hingegen nur, dass man alle Daten von jedem für jeden frei zugänglich propagiert, Marc Zuckerberg es aber dann doch lieber vorzieht, alle Grundstücke um sein neues Haus aufzukaufen, um seine Privatsphäre gewahrt zu wissen.

WhatsApp’s Siegeszug auf deutschen Smartphones ist wirklich faszinierend, insbesondere in Hinblick auf den Datenschutz. Da zeigt sich die schizophrene Denkweise der Deutschen. Auf der einen Seite auf Datenhaltung in Europa pochen, damit der Ami beim Kampf gegen den Terrorismus nicht einfach Zugriff auf sensible deutsche Daten bekommt, weil diese in einem Rechenzentrum in den USA liegen könnten. Im privaten Leben ist es aber dann ok, wenn ich meiner amerikanischen App erlaube, meine Kontakte, meine Nachrichten und mein Bewegungsprofil auszulesen, damit daraus wunderbare Profile von einem selbst und seinem sozialen Umfeld gemacht werden können. Und ob die Daten von WhatsApp nicht vielleicht an einem Ort gehostet werden, an dem man es mit Rechtsstaatlichkeit und Datenschutz nicht so ganz so übertrieben ernst meint, wer weiß es? Informiert sich denn niemand, was er sich da auf sein Telefon herunterlädt?

Mal sehen, wie lange ich mich noch verweigern kann

Noch funktioniert meine strikte WhatsApp Abstinenz. Allerdings muss ich gestehen, es wird immer schwieriger. Ich habe mittlerweile sogar schon Geschäftspartner, die behaupten, via WhatsApp Bestellungen bei ihren Dienstleistern aufzugeben und ihre Außendienstmitarbeiter zu koordinieren. Ich hoffe nicht, dass dieses Beispiel Schule machen wird. Spätestens an dem Zeitpunkt an dem es für mich Geschäftsschädigend ist, nicht in der großen Familie WhatsApp zu partizipieren, werde auch ich mir die App auf meinem Handy installieren (müssen). Dieser Tag der Kapitulation wird für mich dann ein weiterer Beleg sein, dass sich Intelligenz nicht immer durchsetzt. Aber diese Erkenntnis gab es bereits recht häufig im Laufe unserer Menschheitsgeschichte. Wir Krone der Schöpfung verweigern uns leider immer wieder aus unseren Fehlern zu lernen.

Mein Schwiegervater wird es allerdings freuen, dass er dann endlich auch mit mir wie mit jedem anderen normalen, modernen Menschen über WhatsApp kommunizieren kann. Ich bin sicher, auf der Speicherkarte seines Handys liegen schon Berge von noch unentdeckten Herrenwitzen im .pdf Format, die nur darauf warten, auf mein Smartphone übertragen und gewürdigt zu werden. So werde ich dem ganzen Spuk wenigstens noch eine heitere Seite abverlangen können.

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