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Get connected or get lost – Ist ein Leben ohne WhatsApp möglich?

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Get connected or get lost – Ist ein Leben ohne WhatsApp möglich?

Hände nach oben, wer von Ihnen noch nicht WhatsApp auf seinem Smartphone installiert hat! Es dürften nicht viele Hände sein – übrigens meine eigenen mitgerechnet, die gezählt werden könnten.  Was nicht verwunderlich ist, da laut offiziellen Zahlen in Deutschland 38 Mio. Menschen die praktische Kommunikationsapp nutzen, um sich und dem sozialen Umfeld mittels Kurzmitteilungen über die neuesten Ereignisse up to date zu halten.

Du weißt eine Technologie ist kein Nischenprodukt mehr, wenn Dich Dein Schwiegervater darauf anspricht

Spätestens als mich mein Schwiegervater vor einiger Zeit darauf ansprach, dass wir uns doch über WhatsApp connecten sollten, war mir klar, das Ding ist ein Massenphänomen. Umso enttäuschter war dieser als ich ihm mitteilte, dass ich weder einen WhatsApp Account besitze, daher die App auf meinem Smartphone nicht installiert ist, und ich auch in näherer Zukunft nicht gedenke, an diesem status quo etwas zu ändern und damit dieser Kommunikationsweg für mich obsolet ist. Ich muss zugeben, nach meiner Erläuterung sah ich in ein verständnisloses, enttäuschtes Augenpaar.

Natürlich beobachte ich bereits seit langem die schleichende Zunahme der Nutzung von WhatsApp. Wie so häufig entdeckte die Jugend als erste die Vorteile der Chat App. In der Adoleszenz gibt es schließlich unendlich viele, lebenswichtige Ereignisse, die brühwarm der Hood oder den BFFs weitererzählt werden müssen. Da ist die praktische Funktion, den Schnappschuss des sich übergebenden Kumpels „Sprittie“ mit den erklärenden Worten „schade um die Flasche Jägermeister“ mit einem Klick an die 14 Mitglieder der Gruppe „Party People“ senden zu können, ein echter USP.

Früher bestand ein Satz noch aus echten Worten

Dass es sich bei den schriftlichen Ergüssen der fleißig tippenden Jugend nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung über die Bedeutung Goethes Frühwerks auf das Scheitern der Weimarer Republik ist, zeigt ein verstohlener Blick auf das Display der Sitznachbarin in der U-Bahn. Hintereinander folgen in Windeseile ein Emoji Herzchen gefolgt von einem kryptischen Geheimcode wie j4f ko15mispä mamima Leerzeichen Emoji mit Herzchen auf den Augen auf dem Display. Gefühlte 100 Piko- Sekunden später antwortet das Smartphone mit einem fröhlichen „Piep Piep“ und zeitgleich erscheint auf dem Display die Antwort aus dem Äther (ebenso cryptisch): akla t+ cul8er hdgdl. Das Lächeln der jungen Dame verrät, dass sie diese Ansammlung von irrational zusammengewürfelten Buchstaben-Zahlenfolgen ohne Dechiffriergerät zu entziffern wusste, um dann sogleich mit ein paar süßen Emojis und weiteren, nicht verständlichen Geheimcodes zu antworten. Faszinierend. Hätten die Alliierten im Zweiten Weltkrieg nur einen Teenager mit den Kommunikationsfähigkeiten der heutigen Jugend in ihren Reihen gewusst, der Enigma Code der Nazis wäre innerhalb von Minuten geknackt worden und hätte uns einige Jahre unschöne Deutsche Geschichte erspart.

Es war nicht alles besser, aber teurer

Zu meiner Zeit tippte man eine, in ganz besonderen Ausnahmefällen, zwei SMS, um seinem Kumpel auszurichten, dass man sich leider um 15 Minuten verspäten werde. Damals kostete so eine Textnachricht noch richtig Geld, nämlich 30 Cent. Diese pekuniäre Hürde und das umständliche Tippen auf einer Mini-Zehnerblock-Zahlentastatur bildeten einen natürlichen Spamschutz, sodass tatsächlich nur wichtige Informationen über das sich erst langsam erschließende Funknetz geschickt wurden.

Mit dem Aufkommen von Smartphones und Flatfees für Datenvolumen ist diese goldene Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit endgültig vorbei. Und WhatsApp hat einen bedeutenden Anteil an dieser Entwicklung. Durch die einfache Verwaltung der Chats und Freunden, die man in passende Kategorien bzw. Gruppen zuordnen kann, wird das Verschicken und schnelle Verbreiten von Informationen praktisch zum Kinderspiel – oder zum Fluch.

Warum mein Handy eine WhatsApp freie Zone ist

Als bekennendes Sternzeichen Einsiedlerkrebs Aszendent Faultier bin ich mit der täglichen Kommunikation via Mail, Skype und Telefon schon ganz gut ausgefüllt. Da benötige ich nicht noch einen weiteren Kanal, der mich mit Informationen bereichert, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von infinitesimaler Relevanz für mein Lebensglück sind. Zugegeben, es ist meinem Umfeld schwer zu vermitteln, weshalb ich von Facebook, Twitter, Instagram bis Snapchat in jedem erdenklichen sozialen Netzwerk zu finden und aktiv bin, ich mich aber stoisch weigere, WhatsApp zu nutzen. Aber ich kann Ihnen vergewissern, meine stoische WhatsApp Ignoranz hat durchaus tiefere Beweggründe.

Mehr im zweiten Teil.

 

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