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Wer bleibt locker beim Thema AdBlocker?

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Wer bleibt locker beim Thema AdBlocker?

Seit geraumer Zeit verfolge ich die Diskussionen zum Thema Adblocker und dessen Auswirkung im deutschen Werbemarkt. Ein wirklich spannendes Themengebiet rund um Webebanner und Co. und vor allem auch ein existenzielles für uns Online Marketeers. Laut einer OVK Messung werden in Deutschland mittlerweile knapp 22 Prozent der Page Impressions mittels AdBlockern vom Ausspielen der Displaywerbung abgehalten. Man mache sich die Situation einmal bildlich bewusst, jede fünfte Werbeanzeige findet ihren Weg nicht zum User.

Jetzt machen wir mal einen auf Adam Riese, tun einmal so, als ob wir unsere Trafficzahlen im Griff haben und nehmen die geschätzten Werbeausgaben für Displayads (die liegen laut OVK bei ca. 1.5 Mrd. Euro für 2015 Quelle: statista.com) mit dem besagten Faktor 0,2 mal (Leser mit höherer Schulbildung ersetzen bitte „mal“ mit „multiplizieren“). Für alle, die den Taschenrechner nicht schnell  genug bei der Hand haben, hier kommt die Lösung unseres kleinen Gedankenexperiments. Wir reden von 300 Mio. Euro Werbegeld, welches alleine dieses Jahr aufgrund Webwash Technologien  von Unternehmen mit zum Teil äußerst fragwürdigen Geschäftsgebaren dem Markt vorenthalten wird. Dies ist umso trauriger, da es sich hierbei um „sauberen“ Traffic handelt und keinen von russischen Hackerbrigaden in den Weiten Sibiriens zusammen gecodeten Zombie-Bots, die Klicks für Werbekunden in Kiloware produzieren, ohne dass ein echter User die Banner oder gar die Landingpage je zu Gesicht bekäme.

Ich prognostiziere, diese Problematik wird noch einmal geschmeidig an Fahrt gewinnen. Spätestens seit Apple im aktuellen Betriebssystem IOS 9 für iPhones und iPads die Möglichkeit vorgesehen hat, Werbeblocker zu installieren, kann man erahnen, wohin die Reise geht. Dem immer wichtiger werdenden Mobile Display Geschäft drohen die gleichen Umsatzeinbußen wie im klassischen Display Geschäft. Die Nächsten, die auf den Trichter kommen werden, ihr mobiles Datenvolumen zu optimieren, werden die Android User sein. Wer kann es dem cleveren Sparfuchs auch verdenken, wenn er sich mithilfe eines AdBlockers die stark limitierte „Datenflatrate“ durch Ausblenden der sowieso nicht gewollten und eh noch nie geklickten Werbebanner – aus seiner Sicht- ökonomisch nutzt.

Warum mich dieser Zustand so echauffiert? Weil es gegen meinen Gerechtigkeitssinn geht, gute Internetinhalte nutzen zu wollen, ohne dafür dem Produzenten diesen Inhalts in irgendeiner Form einen Ausgleich für seine Mühen und Kosten zugestehen zu wollen? Auch, ja. Wobei ich zugebe, dass Menge und Größe der auf der Website ausgespielten Werbung nicht zwangsläufig proportional zur Qualität des Inhalts stehen müssen. (Freunde der leichten FSK 18 Muse wissen was ich meine).

Mich ärgert viel mehr, dass die Problematik webwashing  und adblocking in meinem beruflichen Umfeld nicht richtig ernst genommen oder am besten gleich ignoriert wird. Jedes Mal, wenn ich beim Smalltalk das Thema AdBlocker anschneide, bekomme ich Antworten wie „ja, ist so ´ne Sache. Schwierig. Mmmh…. Aber wir zahlen ja eh nur den Traffic, den wir mit unserem AdServer mitzählen.“ Oder „Ja, ist eigentlich nicht so gut für die Seitenbetreiber. Aber ich darfs ja eigentlich gar nicht sagen. Auf meinem Laptop daheim habe ich auch den  Adblock Plus drauf“. Und sind dann diese Momente bei denen ich mir denke: ja, es halt nicht jeder das geistige Potential zum Raketenforscher.

Zugegeben, AdBlocker sind ein komplexes Thema und verlangen vielleicht etwas mehr technisches Verständnis als das posten der neuesten It-Location auf Instagram. Aber als Online Marketer muss ich doch verstehen, was in meinem direkten Umfeld passiert und Auswirkungen auf meinen Job hat. Abgesehen davon, dass Firmen wie Adblock Plus mit ihrer „Acceptable Ads“ (hier können sich Webseitenbetreiber für einen bestimmten Betrag vom adblocking freikaufen) moderne Wegelagerei betreiben, gefährdet der Trend keine Werbung sehen zu wollen, das freie Internet für Alle, wie wir es (noch) kennen. Irgendwann werden die Produzenten von Inhalten entweder ihr Angebot einschränken oder nur noch als Bezahldienst anbieten. Von den negativen Einflüssen auf die mediale Meinungsvielfalt einmal abgesehen, hat dies auch direkte Konsequenzen auf unser tägliches Brot und Butter Geschäft. Wo wollen wir dann noch die spannenden Produktinformationen unserer Kunden platzieren, wenn es immer weniger Display Werbeplätze gibt?

Ich habe auch keine Lösung zu diesem Thema – ich bin ja auch kein Raketentechniker. Ich würde mir nur wünschen, dass AdBlocker und Webwasher einen größeren Platz auf der Online Marketing Agenda bekäme. Ich meine diese Diskussion ist essentieller als die über die neuesten Social Media Plattform auf der man irgendwann einmal, vielleicht, eventuell eine Art Kundenpromo als Werbeform einkaufen könnte. Solange wir nicht über bestehende Probleme diskutieren, werden wir diese auch nicht gelöst bekommen.

Ich hoffe, ich konnte dem Einen oder der Anderen das Thema AdBlocker näher bringen und zum Denken anregen. Ich freue mich schon auf den nächsten Plausch mit Ihnen, wenn Sie mich mit den Worten begrüßen: „Thomas, Du, das mit den Adblockern, da läuft was ganz schön falsch. Da müsste man doch….“ Dieses erste Bier geht auf mich!

Ihr

Thomas Münzer