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Wann macht uns Programatic Buying überflüssig?

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Wann macht uns Programatic Buying überflüssig?

In letzter Zeit las und hörte ich viel über die unglaublichen Fortschritte, die die Künstliche Intelligenz (KI) in den letzten Jahren gemacht habe und welche wunderbaren Möglichkeiten sich hieraus ergeben werden. Die Entwicklung der KI, gepaart mit dem Vernetzen unseres Alltags mit dem Internet sowie der immer billiger werdenden Kosten für Datenhaltung und Rechnerleistung, werde unserer Leben in absehbarer Zeit in ungeahnter Art und Weise vereinfachen. Klingt super, als Reinkarnation eines lethargischen Dreifingerfaultieres kommt mir die bald schon zur Verfügung stehende Technologie sehr entgegen.

Ob selbstfahrendes Auto oder Produktionsanlagen, die sich selbst steuern, nichts scheint der Computerwelt mehr Grenzen zu setzen. Für uns Onliner wird das nächste große Ding Chatbots werden, die mit Menschen und Maschinen anhand natürlicher Sprache kommunizieren werden. So verkünden es zumindest Fachpresse und namhafte Trendforscher. Der Mensch werde keinen Unterschied mehr feststellen, ob er nun mit einer anderen biologischen Lebensform telefoniert (In den häufigsten Fällen dürfte es sich hierbei um einen Menschen handeln. Chefs, Kunden und Schwiegermütter sind wohl eher den Kategorien Kaktus, herzloser Eiszapfen und Beißzange zuzuordnen) oder ob es sich bei der Dame am anderen Ende des Telefons nicht um eine Kombination von smart zusammengestellter Hardware und Programmcode handelt. Siri, Microsofts Cortana und Google Now kennt der bequeme Smartphoneuser bereits. Deren Intelligenz kratzt aber gerade mal an dem Potential, was wirklich in dieser Technologie steckt.

Wie weit Künstliche Intelligenz bereits Einfluss in unser reales Onlineleben genommen hat, zeigen die großen Erfolge der Fintech Szene. Dabei handelt es sich um intelligente Computersysteme, die vom Wetterbericht über Twitter-Feeds bis hin zu klassischen Nachrichtendiensten, alles an erdenklichen Informationsquellen auslesen, analysieren, bewerten und Risikobewertungen erstellen. Diese werden entweder von gutbezahlten Herrschaften, deren Berufung die Vermögensverwaltung ist, zur Entscheidungsfindung für Wertpapier An- und Verkäufe herangezogen. Oder, und das ist nun keine Science Fiction sondern bereits real existierende Alltagswelt, die Fintech Systeme handeln gleich eigenständig und ohne manuelle Eingriffe, nur aufgrund eigener Entscheidungen, an den Börsen dieser Welt. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas unheimlich, aber warum sollte ein emotionsloses, nur aus unzähligen „Schalter ein“, „Schalter aus“ System, schlechtere Ergebnisse erzielen, als ein zynischer Bonibanker, der sich vom Champagnerrausch des Vorabends beseelt, zu waghalsigen Spekulationen hinreißen lässt. Zumindest kann man dem Fintech Programm kühl-rationale Risiko-Chancen Bewertung unterstellen.

Oder nehmen wir die spannende Welt der Buchhaltung, Rechnungswesens und Wirtschaftsprüfung. Auch hier werkeln bereits seit Jahren fleißige, digitale Helferlein, die Steuererklärungen und Quartalsberichte nach Unstimmigkeiten durchforsten und so sowohl dem Steuerberater als auch den emsigen Finanzbeamten bei der Suche nach Steueroptimierungsmodellen und interessanten Abschreibungsmöglichkeiten helfen (wieso ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, ein paar leistungsstarke Rechner mit einem dieser beängstigenden Wunderprogramme auf den griechischen Inseln zu installieren? Das Thema Grexit wäre nach 2 Jahren vom Tisch).

Worauf ich hinaus will? Die Künstliche Intelligenz hat begonnen, sich in unserem Alltag zu etablieren und übernimmt und automatisiert immer mehr Themengebiete, die noch vor kurzem als unmöglich von Maschinen auszuführend galten. Selbst bisher gut bezahlte Wissensjobs, die ein Hochschulstudium voraussetzen, sind von der neuen Welle der technischen Innovation betroffen. Und seien wir einmal ehrlich zu uns: Selbst der abschlußstärkste Online Sales Direktor kann einem Kunden nur schwerlich erklären, warum dieser auf die einzigartig ausgefuchste Qualitäts-Mediaplanung des Hauseigenen Expertenteams mit der gefühlten über tausend Jahre Onlinerfahrung setzen sollte, wenn es da draußen doch genug Programatic Buying Systeme gibt, die jede einzelne Werbeeinblendung exakt auf das gesuchte Zielgruppenprofil des Users ausspielen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in absehbarer Zukunft nur noch eine Hand voll Top Online Marketeers mit jeweils einem kleinen überschaubaren Team fürs Grobe (Werbemittel soweit noch nötig einchecken, technische Probleme lösen, wie immer verantwortlich sein für nicht funktionierende Kampagnen, obwohl der übermotivierte Sales an der Front wieder einmal Dinge verkauft hat, von denen er technisch zwar keine Ahnung hat, die aber sexy klingen und sich positiv auf den zu erwartenden Quartalsbonus auswirken).

Ich fürchte ja, dass mein Job noch vor Erreichen der Rente von ein paar smart programmierten Algorithmen übernommen wird, die in einer anonymen Serverfarm eines Clouddienstanbieters ihren Dienst verrichten und dabei nie auf die Idee kämen, während der Arbeitszeit die aktuellen Angebote vom Aldi aufzurufen oder die Mittagspause etwas nach hinten zu dehnen, weil das Wetter seit langem mal wieder mit Biergartensonne lockt. Spätestens dann sollte ich einen Plan B und eine Idee haben, was ich mit der mir nun unfreiwillig geschenkten Zeit zu tun gedenke. Vielleicht eröffne ich dann eine Trinkhalle an der Isar mit ein paar Bierbänken, freiem W-Lan und Ex-Onliner Stammtisch. Wir werden dann über die gute alte Zeit fachsimpeln, als man als Trainee noch lernte, wie man ein ordentliches Clicktracking aufsetzt oder warum man seine Reichweite besser nicht mit einem neuen Publisher streckt, dessen Firmensitz und Bank auf den Cayman Islands sitzt. Oder ich besorge mir eine stabile Hängematte und suche mir einen Ort in der Südsee, an dem ich meine neue Bleibe aufhängen und mich endlich dem Leben eines Dreifingerfaultieres widmen kann. Denn eines ist sicher: eher über kurz als über lang werden uns die neuen Technologien auch in unserem direkten Arbeitsleben einholen und sollten wir besser vorbereitet sein. Wir sehen uns in 10 Jahren an meiner Trinkhalle! 😉

Ihr

Thomas Münzer