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Urlaub mal offline

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Urlaub mal offline

Es ist Sommer. Wer das anhand des Kalenders noch nicht gemerkt haben sollte, dem wurde es spätestens anhand der tropischen Temperaturen bewusst, mit denen Petrus uns an gemäßigtes Klima gewöhnten Schäfchen Mitteleuropas, seit ein paar Tagen verwöhnt.  Und was tut der ewig am Puls der Internet Zeit lebende Online Marketeer im Sommer? Richtig, er nutzt die „Stade Kampagnen Zeit“ und fährt wie alle anderen Head of Display Ads, Digital Strategy Directors und Senior Social Media Analysten in die wohlverdiente Sommerfrische, um sich vor den nun kommenden stressigen Herbst- Wintermonaten mental und physisch zu wappnen. Je nach Gehalts- und Bildungsniveau sucht er sich entweder eine nette Finca mit Blick aufs Mittelmeer, wo die ganze Familie unter alten Olivenbäumen im Pool plantschen, und sich bei einer leichten Brise von Süd-Ost mit Käse vom handgestreichelten Churraschaf und einer Flasche Gran Rosa erfrischen kann. Oder – alternativ –  die etwas bescheidenere Variante für den ehrgeizigen Junior Media Buyer, das „All-inclusive Ungarn Balaton Angebot“ mit der Niedrigstpreisgarantie für Bier und käuflicher Liebe.

Allen ist gemein, dass sie die zwei oder drei Wochen Ruhe und AFK (away-from-keyboard) nicht nutzen werden, um sich ein bisschen Abstand vom täglichen Kommunikationsstress zu gönnen. Mit der Erfindung des Smartphonesund der Entdeckung des Homo-Head-down ist es uns möglich geworden, immer und überall Kontakt zu unserem geliebten Internet und damit zu unseren Freunden, Familie oder Kollegen zu haben. Und wenn es mit unseren Kontakten gerade nichts zu kommunizieren gibt, halten wir unseren Taschencomputer mit anderen Dingen wie spielen oder Musikhören auf Trab. So nutzen wir die neue Technologie ausgiebig, um all die tollen Locations, an denen wir uns gerade befinden, mit unserem Handy (Profis nehmen sogar das ipad!)  abzulichten und mittels Facebook, WhatsApp und Co. der Welt mitzuteilen, was für ne wahnsinnsgeile Zeit wir gerade erleben.

Weil weiterhin die beruflichen Mails in unseren Smartphones auflaufen und der Mensch nun mal ein neugieriges Wesen ist, schauen wir in einer langweiligen Minute kurz mal in die Inbox um zu sehen, was denn momentan so anliegt und mit welchen Themen sich unsere Kollegen während unserer Abwesenheit gerade beschäftigen. Vielleicht bekommt unsere Urlaubsvertretung ja das Zähldifferenzen-Abrechnungsproblem vom Tisch, weswegen wir uns seit Wochen mit unserem Kunden streiten.

Die ganz harten Heavy User unter uns, die Gattung „dem ist das iphone schon an der Hand angewachsen“, lädt sich vor Urlaubsbeginn schnell noch die aktuellen Episoden seiner US Lieblingsserien aufs ipad und vielleicht gleich noch zwei oder drei Spiele fürs iphone vom AppStore, um ja sicher zu gehen, dass die lange Flugzeit München-Antalya ohne aufkommende Langeweile überbrückt werden kann. Das ist halt das Blöde am Fliegen, hier gibt’s kein Internet und kein Handyempfang, da ist nix mit Streaming.

Und so geht es den ganzen Urlaub weiter. Immer und überall packen wir das kleine Multifunktionsgerät aus der Tasche, schauen nach, was unsere Freunde und Bekannten in den diversen WhatsApp Gruppen, Twitter und Pinterest zu berichten haben, posten schnell noch ein Selfie von uns mit dem schiefen Turm von Pisa im Hintergrund und ab und an wird noch in den Mails nach sensationellen Neuigkeiten nachgesehen. Also: alles läuft wie immer. Lediglich die ewige Suche nach einem kostenlosen Internetzugang nervt, denn das Datenroaming kann sich ja nur ein Start-up Millionär aus dem Silicon Valley leisten!

Vielleicht erinnert sich der ein oder die andere unter uns noch die analoge Welt vor dem Internet und wie sich damals Urlaub anfühlte. Wirklich weg von der Arbeit (bei mir war es die Schule), kein ständiger Kontakt zu unseren Freunden, wenn die Literatur, die man sich extra mitgenommen hatte, ausgelesen waren, gab’s nur noch die Hanni und Nanni Bücher der kleinen Schwester zur Unterhaltung und das konnte nicht wirklich als Alternative angesehen werden. Ansonsten wurde die freie Zeit für wirklich wichtigen Dinge des Lebens wie extremes Nichtstun, Selebaumelnlassen und ungestörten in den Tag Leben geprägt.

Heute werden wir selbst während der schönsten Tage des Jahres von unserer Sucht verfolgt, immer und überall erreichbar sein zu wollen und das Gefühl haben zu müssen, alles mitbekommen zu müssen. Ich denke, ich bin nicht der Einzige Mensch auf diesem Planeten, der die Meinung vertritt, dass gerade der Urlaub, der ja Erholung für Körper und Geist bringen soll, die Beste Zeit ist, mit der Internetnutzung vielleicht ein bisschen kürzer zu treten. Versuchen Sie einfach mal, Anfangs nur jeden zweiten Tag das Smartphone anzuschalten und dann im Laufe der Zeit das Abrufen von Mails und Co. komplett sein zu lassen. So hart es für unser Ego auch ist, Sie werden sehen, die Welt hat uns nicht vermisst und wir haben WIRKLICH nichts verpasst. Probieren Sie es aus, der Gewinn an Erholung und die Freude, nach zwei Wochen Abstinenz von Kollegen und Arbeitsplatz, endlich einmal wieder über Conversionraten, DSP´s und Trackingproblemen zu reden, ist nicht mit Geld zu bezahlen!

Ich freue mich über jeden, der das Experiment „Urlaub Smartphone Askese 1.0“ ausprobieren möchte. Allen anderen sei gesagt, in der Theorie bin ich der größte Smartphone Abstinenzler den ich kenne, in der Praxis liegen Wunsch und Wirklichkeit dennoch weit auseinander. Leider auch in den Ferien…

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen schönen Urlaub unplugged.

Ihr

Thomas Münzer