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Machen Sie Q1 zum besten Quartal des Jahres!

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Machen Sie Q1 zum besten Quartal des Jahres!

Ist das nicht ein prima Ziel für das frisch begonnene neue Jahr? Haben Sie sich überhaupt Vorsätze oder Ziele für 2016 vorgenommen? Wenn auch Sie zu den Menschen gehören, die sich gerne gute Vorsätze zum Start eines neuen Jahres machen, aber mal abseits vom „10 Kilo abnehmen“ und „mehr Sport, weniger Alkohol, das Rauchen aufgeben UND mehr Salat essen“ Mainstream sich wirklich eine harte Challenge auferlegen wollen, wie wäre es dann mit dem in der Überschrift proklamierten Ziel?

Sie werden sich fragen, wie kommt der Münzer jetzt auf so eine blödsinnige Idee? Ich werde es Ihnen verraten. Bei uns ist „Machen Sie Q1 zum besten Quartal des Jahres“ ein langjähriger Insider. Ein Geschäftskollege erzählte uns beim Mittagessen, seine Firmenleitung habe einen externen Berater zur Mitarbeitermotivation ins Haus geholt, in der Hoffnung, es möge sich ein positiver Flow nicht nur auf das soziale Miteinander unter den Kollegen, sondern auch auf den wirtschaftlichen Erfolg bemerkbar machen. Wie man weiß, gehört es zum Jobprofil eines jeden Unternehmensberaters, weise Sprüche zu Themen, von denen er keine Ahnung hat, von sich zu geben sowie Targets und Milestones zu definieren. Selbst ein Kopfarbeiter wie ein Unternehmensberater muss irgend etwas Vorzeigbares produzieren, um die Daseinsberechtigung und den Honorarsatz eines Chefarztes gegenüber seinem Mandanten zu belegen. Und so begab es sich, dass bei einer der Gruppensitzungen, welche die Definition der Firmenziele des kommenden Jahres zum Thema hatte, vom Berater der geflügelte Satz, Q1 zum besten Quartal des Jahres zu machen, formuliert und begeistert an das Flipchart geschrieben wurde.

Jeder, der seine ersten zwölf Monate im Online Marketing durchgestanden und nicht vorher das virtuelle Handtuch geworfen hat, weiß, dass das erste Quartal das ruhigste im ganzen Jahr ist. Die Werbekunden haben Ihre Budgets im Weihnachtsgeschäft verballert, schließlich ist zu dieser Zeit die Konsumfreude Land auf und ab am größten. In den Folgemonaten dagegen ist vom Endverbraucher keine überschwängliche Kauflaune zu erwarten. Nachdem der Jahresbonus und das Weihnachtsgeld für Christbaum, Geschenke an Familie und die bucklige Verwandtschaft und den Skiurlaub in St. Anton rausgehauen wurden, stellt Max Mustermann nach dem ersten Kassensturz mit Erstaunen fest, dass er sein Budget weit überzogen hat und ab sofort die Ausgaben nach Art der viel zitierten schwäbischen Hausfrau vorgenommen werden.

Wenn einen Kunden also nicht zufällig die brillante Eingebung erhellt, dass die neue Gummistiefel Kollektion „Sonnenschein“ noch schnell mit aller Macht und dicken Millionen Budget in den Markt gedrückt werden sollte, da die natürliche Nachfrage an besagtem Top Produkt aufgrund des abzusehenden Tauwetters gesteigert werden muss, sind die ersten Monate eines Jahres immer die ruhigsten. (Verbessern Sie mich, wenn Sie andere Erfahrungen gemacht haben sollten und lassen Sie mich bitte wissen, was Ihr Geheimnis ist. Ich lerne gerne dazu!). Die Wahrscheinlichkeit, in den ersten drei Monaten umsatz- und kampagnentechnisch das bei weitem wichtigste Werbequartal Q4 zu toppen, ist – vorsichtig formuliert – sehr ambitioniert.

Als uns der Geschäftskollege die Geschichte erzählte, waren die Lacher, wie zu erwarten, auf seiner Seite. Seither ist es uns zur lieben Gewohnheit geworden, auf die Frage, „und, was macht das Business bei Euch, läuft´s?“ mit dem Satz „Super, wir machen dieses Jahr Q1 zum besten Quartal des Jahres!“ zu antworten. Anhand der Einleitung zu Beginn des Satzes (bsw. bombig, joh…, ja mei, läuft, oder och) lesen wir dann zwischen den Zeilen die aktuelle Auftragslage beim anderen heraus. Entsprechend der Einleitung lauten die Antworten dann „Ja, das Q1 ist aber auch ein schweres Quartal.“ oder „Gratuliere, wie Ihr das mit dem Q1 aber auch immer wieder hinbekommt, Chapeau!“.

Ich weiß nicht, ob der Unternehmensberater in der Firma unseres Geschäftskollegen Potentiale heben, die Produktivität und den Cashflow steigern oder das Arbeitsklima verbessern konnte. Aber er hat etwas bleibendes geschaffen, einen Satz, der klingt, als sei er von den Marketing Göttern persönlich als ewiger Claim zur Mahnung an alle Marketeers in Granit gemeißelt worden: „Mache Q1 zum besten Quartal des Jahres!“

Und was lernen wir daraus? Setzen Sie sich Ziele fürs neue Jahr, auch wenn Sie wissen, dass sie niemals erreicht werden können. Sie werden mit der Zeit zur liebgewonnen und vor allem bleibenden Gewohnheit. „Wir müssen uns Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen“, das wusste schon Nietzsche. (Für jene Leser, die bei Sisyphus an krumme Abflussrohre unterm Waschbecken denken. Sisyphus wurde von den Göttern dazu verurteilt, einen Felsbrocken unablässig einen Berg hochzurollen. Auf dem Gipfel angekommen, rollte der Felsbrocken von alleine immer wieder nach unten. Sisyphus wurde also mit einer Arbeit bestraft, die niemals beendet werden konnte.). Ich kann das bestätigen. Seit 15 Jahren nehme ich mir jedes Jahr aufs Neue vor, jetzt aber wirklich 10 Kilos abzunehmen und mit jedem Jahr fällt es mir leichter, meinen Vorsatz zu nicht zu erreichen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele gute Vorsätze, alles Gute und vor allem viel Erfolg für 2016.

Ihr

Thomas Münzer