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Flash is dead, man. Flash is dead.

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Flash is dead, man. Flash is dead.

Wer hätte das gedacht, das Thema HTML 5 nimmt an Fahrt auf! Eigentlich sollte man meinen, dass die Sommermonate nicht wirklich Spannendes im Online Marketing Geschäft zu bieten haben. Die Kampagnen sind soweit eingebucht und man erwartet nicht unbedingt rekordverdächtige KPI´s, da der mittels Pop-ups, Interstitials oder Pre-Rolls mit Konsuminformationen beglückte User am See liegt und seinen Urlaub genießt. Wir Online Profis merken das ganz schnell schmerzlich anhand sinkenden Zugriffszahlen und Userreichweiten. In der freien Urlaubszeit braucht der Bürohengst keine kleinen Online Pausen, in denen er schnell mal bei Facebook vorbeischaut um sich zu vergewissern, dass seit dem letztem einloggen vor fünf Minuten  nur zwei neue süße Katzenbilder gepostet wurden. Auch das schnelle abchecken der aktuellen Aldi Angebote, das die essentielle Frage aufwirft, wer denn die vielen Walking Stöcke und furchtbaren Dreiviertel Trainingshosen in Übergröße kauft, ist hinfällig. (Wir wissen alle, wie vonnöten diese netten Ablenkungen im täglichen Bürowahnsinn sind, um das soziale Miteinander mit nervigen Kollegen, unfähigen Chefs und blödsinnigen Kundenanfragen ohne größere mentale Schäden zu überstehen.)

Also schaltet der Online Zirkus im Urlaubsmonat August auf Autopilot und genießt die Ruhe vor dem Sturm. Denn spätestens Mitte September wird zum Jahresendspurt geblasen und wir sind immer wieder überrascht, wie Kunden kurz vor Jahresende unbedingt noch schnell Mediabudget in den Äther blasen müssen.

Umso überraschender traf eine schockierende Nachricht aus dem Hause Firefox das sich zum allgemeinen sommerlichen Dösen bereit gemachte Online Marketing Business. So informierte der Browseranbieter ab sofort keine Inhalte mehr darzustellen, die auf der Adobe Flash Technologie beruhen, da eklatante Sicherheitslücken im Flash das Surfen zum unberechenbaren Sicherheitsrisiko machten. Für alle, die nicht so tief in der Materie stecken, eine kleine Erklärung: Firefox ist mit einer geschätzten Reichweite von 30% knapp vor Google Chrome der meist genutzte Browser in Deutschland. Diese Tatsache und der Umstand, dass gefühlt 90% aller Displaywerbung im besagten Flash Format ausgeliefert werden, erklärt, warum die Szene schlagartig wie aufgeschreckte Hühner agiert und dieses Thema urplötzlich auf „super Prio 1“ der täglichen To-Do Liste gesetzt wurde. Dreißig Prozent weniger Reichweite auf einen Schlag, das ist auch für den abgebrühtesten Reklamemenschen keine Größe, die man sich mit einem doppelten Edelgrappa schön trinken kann. Zudem droht Google schon seit mehreren Updates, die nächste Version von Chrome werde Flash ebenfalls nicht mehr anzeigen.

Spätestens seit Steve Jobs öffentlich erklärte, Apple werde Flash nicht weiter auf seinen Systemen akzeptieren, weil die Technologie zu viele Sicherheitslücken aufweise und man sich stattdessen auf HTML 5 konzentrieren werde, war es absehbar, dass Flash, sollte nicht ein sicherheitstechnisches Wunder geschehen, ein abgeschlossenes Kapitel wie Netscape in der noch recht jungen Internet Geschichte sein wird. Wir waren alle gewarnt. Seit langem.

Umso erstaunlicher ist es da, dass die Online Werbe-Welt so lange an Flash festhielt/festhält. Wir geben uns doch sonst immer so wahnsinnig edgy, far beyond und glauben, wo wir sind, ist die Spitze des Laserstrahls. Ich war schon vor Jahren auf Vermarkterveranstaltungen, auf denen wir über HTML 5 als Werbemittel diskutierten. Nur breit in den Markt einführen wollte es irgendwie keiner, weil zu technisch, die Werbemittel viel mehr KB haben und wer zahlt dann das Hosting? Und überhaupt, die Agenturen haben eh keine Kreativen, die ihre spritzigen Ideen in HTML 5 umsetzen können. Seien wir ehrlich, es ist einfach angenehmer Altbewährtes zu nutzen, als etwas Neues umzusetzen, von dem im Voraus bekannt ist, dass es einige Learnings, Nerven und vielleicht auch verdaddelte Kampagnen kosten wird, weil das Tracking vielleicht doch anders hätte integriert werden müssen. Auch wenn das Onliner Axiom Nr.1 (never change a running system!) weiter seine Richtigkeit hat. Wir reden mittlerweile vom Internet 4.0 und nutzen immer noch die Technologie des Netzes 2.0, obwohl es seit langem bessere Alternativen gibt? Come on, das können wir doch besser, oder?

Werter Leser, ich finde es gut, dass sich zum Thema HTML 5 endlich etwas bewegt. Denn nur das bringt unser Business weiter. Man denke nur an die vielen Vorteile, die uns HTML 5 bringen wird: wir werden nur noch ein Werbemittel in unseren Adservern hinterlegen müssen und trotzdem werden alle IAB- und nicht zu vergessen alle mobilen Formate(!) ausgespielt! Endlich können auch die Apple iPad Nutzer die bewegenden „kauf-mich-jetzt-und-sei-wahnsinnig-cool-dabei“ Layer sehen, für die sich ganze Kreativteams in Werbeagenturen wochenlang bei RedBull, Matetee oder was es sonst für Mittelchen zum produktiven Brainstorming braucht, die Köpfe zermartert haben. Und nicht zu vergessen: HTML 5 macht Werbemittel in 4K möglich! Ich bin mir zwar nicht sicher, ob es wirklich nötig ist, die Hausmacher Leberwurst im Glas vom Lidl Wochenangebot in Super HD darzustellen. Aber wer weiß schon, wann man so etwas einmal braucht.

Darum begrüße ich den Weckruf, den Firefox mit seiner Aktion ausgelöst hat und ich freue mich auf die Herausforderungen, die der Wechsel von Flash auf HTML 5 mit sich bringen wird. Ich habe in den letzten Wochen viel mit Agenturen und Publishern zum Thema HTML 5 gesprochen. Dabei konnte ich feststellen, dass wir wirklich alle noch blutige Laien bei diesem Thema sind. So werden die nächsten Wochen und Monate ein spannendes, gemeinsames Learning by Doing. Also, packen wir´s an.

Ihr

Thomas Münzer